Hindernislauf: Ausgepowert und glücklich im Dreck

Viele Sportler auf der ganzen Welt tun es. Und nun wird es auch in Deutschland getan. Hindernislauf ist die ultimative sportliche Herausforderung. Warum finden so viele Menschen Hindernislaufen so faszinierend? Wieso soll ich mitmachen? Und wie bereite ich mich vor?

Die Engländer machen es vor und wir machen es besser

Freiwillig an die eigenen körperlichen Grenzen gehen und von oben bis unten mit Schlamm besudelt sein: das ist der Trend, den wir zur Zeit in Deutschland immer mehr beobachten können. Die Sportart Hindernislauf – hört sich im englischen mit „obstacle race“ oder „obstacle course running (OCR“) dann doch besser an – ist bei uns angekommen. Und wer hat’s erfunden? Die Briten! Wer auch sonst?

Die Briten sind bekannt für ihren extrovertierten Lebensstil und ihre oft ungewöhnlichen Vorlieben. Halbnackte Mädels im Winter, das Pint im Pub inkl. Torschlusspanik (23:00 Uhr ist meistens Schicht im Schacht) – da fallen ein paar tausend Verrückte, die sich freiwillig durch 5-15 Kilometer unwegsames Gelände schlagen, durch Schlammtümpel kriechen und über mehr als zwei Dutzend Hindernisse klettern nicht auf. Und was die Briten gut finden, kopieren die Amerikaner gerne, sodass auch dort jeder seinem Nachbar erzählen kann, dass er einen Hindernislauf und seine Unwägbarkeiten heldenhaft überstanden hat.

Warum gerade Hindernislauf – überraschend überzeugende Argumente

In Deutschland finden sich seit etwa einem Jahr nun ebenso die Ausdauer- und Action-Sportler zusammen, um zu zeigen wie fit sie wirklich sind und sich dabei richtig dreckig zu machen. Ich wurde von Freunden angesprochen, ob ich nicht auch mitmachen wolle. Ein großer Fan vom Joggen bin ich nicht, Crosslauf im Wald hab ich jedoch schon einmal ausprobiert, aber auch das hat mich nicht überzeugt. Meine Freunde haben dennoch geschwärmt, dass es anstrengender und abwechslungsreicher als ein Crosslauf sein wird. Wirklich?
Hier die Argumente:

  • Wir machen uns zusammen einen richtig guten Tag im Grünen.
  • Wir werden – auch jeder für sich selbst – zeigen müssen, wie viel wir drauf haben.
  • Aber wir müssen ein starkes Team sein, damit wir die schweren und herausfordernden Hindernisse überwinden.
  • Wir werden eine riesen Portion Spaß haben.
  • Sei kein Weichei.

Überzeugend? Ja.

 

Das Besondere erleben

Wer die persönliche Herausforderung annimmt, kann sich auf einen außerordentlich spannenden Tag freuen, denn der Hindernislauf ist eingebettet in ein Ganztages-Event, das die Spannung bis kurz vor dem Start auf den Höhepunkt treibt. Sobald die Location in Sichtweite rückt und man in die angespannt, erwartungsfrohen Gesichter der mehreren tausend Teilnehmer blickt, merkt man, dass man kurz davor ist, etwas Besonderes zu machen. Hier in Kürze was dann passiert ist. Und das war besonders:

  • total aufgeregt und gespannt mit hunderten Anderen in dieser beeindruckenden Location auf den Start gewartet. Knisteratmosphäre.
  • Start. Adrenalin pur und die ersten fünf Hindernisse mit Bravour gemeistert. Wer war noch gleich Chuck Norris? Wer hat gesagt der Hindernislauf bringt dich an deine Grenzen?
  • Direkt danach die erste Schlammlandung. Mit dem Gesicht zuerst. Das erste Mal seit dem ich 5 Jahre alt war.
  • Bereut überheblich geworden zu sein. Die nächsten Hindernisse schaffe ich nur im Team.
  • Lange Rutschen, Hüpfburgen mit Schaum. Lange nicht so viel Spaß gehabt.
  • Ich spüre jeden Muskel meines Körpers, die Kombination aus Ausdauer beim Laufen und Kraft für die Hindernisse ist einzigartig.
  • Ich bin fix und fertig und nicht der Einzige, aber mein Team feuert mich an und schreit mich ins Ziel.
  • Im Ziel: glückliche, unglaublich dreckige und ausgepowerte Menschen, die sich in den Armen liegen. Geschafft.

In den Minuten nach dem Ziel ist jeder froh, es geschafft zu haben. Eine Stunde später und wieder bei Kräften überkommt viele auch der Stolz und das Wissen, etwas außergewöhnliches gemacht zu haben.

Und die Erkenntnis: der Hindernislauf hat gezeigt, dass ich Dinge schaffe, die ich nicht erwartet hätte und ich mich auf viele Menschen verlassen kann, auf mein Team.
Um das alles zu verstehen, musst du es allerdings selbst einmal erlebt haben.